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Zimmermann im Dialog: “Eine Entscheidung des Herzens”

28 September 2009 5 Kommentare

jens-zimmermannKnapp 100 Tage ist es her, dass Jens Zimmermann als neuer Geschäftsführer der Stuttgarter Kickers der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Im Gespräch mit dem Fan-Forum stellt sich der sympathische Schwarzwälder den Fragen der Kickers-Fans und gibt neben einem Zwischenfazit auch Einblicke in seine tägliche Arbeit. Zeitgleich mahnt Zimmermann keine zu großen Erwartungen im Umfeld zu schüren, die Konsolidierungsphase genieße in dieser Saison oberste Priorität. Des Weiteren unterstreicht der Geschäftsführer noch einmal, dass durch Fans verursachte Strafen zivilrechtlich eingeklagt werden. Das Interview führte Blauer Bayer und ist hier in voller Länge nachzulesen.

Herr Zimmermann, Sie sind jetzt fast genau 100 Tage im Amt. Wie fällt Ihre Bilanz aus?

Zimmermann: Zu 100 Prozent positiv. Mir macht die Arbeit sehr, sehr viel Spaß und wir konnten in den ersten Wochen doch einiges zusammen bewegen. Ob SMS-Service, Kickers-TV oder eine tolle Image-Kampagne „Was zählt ist rund“ – ist schon alles sehr stimmig. Hinzu kommt ein Team mit tollen, engagierten Kollegen.

Keine Kritikpunkte?

Zimmermann: Nein. Die Vorzeichen bei meinem Start waren sicher alles andere als rosig. Aber in den letzten Wochen ist eine Euphorie entstanden – ohne dass man jetzt blauäugig wäre -, die zeigt, was die Marke “Stuttgarter Kickers” wert ist. Diese Marke wurde in der Vergangenheit zwar etwas zu oft bemüht, aber es ist einfach so: Wo man hinkommt, sind die Kickers ein Thema. Das merke ich auch in den Gesprächen mit potenziellen Partnern. Deshalb hat auch ein Unternehmen wie Generali Interesse, sich bei uns zu engagieren.

War diese Marke auch für Sie der Grund, gerade jetzt nach dem Abstieg zu den Kickers zu gehen?

Zimmermann: Das war eine Entscheidung des Herzens. Unter den Kriterien einer normalen Berufskarriere war es wohl irrsinnig, diesen Job zu machen. Aber es ist für mich wirklich eine Herzensangelegenheit. Ich habe den Kickers sehr viel zu verdanken. Und jetzt ist der Verein an mich in einer Situation herangetreten, in der ich helfen kann – mit dem, was ich die letzten Jahre gemacht habe, und mit dem Netzwerk, das ich dabei aufgebaut habe. Das ist eine spannende Angelegenheit.

Wie sehen die Aufgaben denn genau aus. Es sind ja nicht die gleichen wie bei Achim Cast?

Zimmermann: Nein. Ich bin weniger für den sportlichen Bereich zuständig. Eigentlich kann man Dirk Schuster als Trainer und Sportlichen Leiter bezeichnen, wenngleich wir sehr eng zusammenarbeiten und uns intensiv austauschen. Das geht aber nicht so weit, dass wir über einzelne Positionen in der Mannschaft diskutieren. Das ist Sache des Trainerteams. Die Zusammenarbeit zwischen Dirk Schuster und Alexander Malchow ist exzellent. Ich sehe meine Aufgaben eher in der Öffentlichkeitsarbeit, der Kommunikation mit den Verbänden, der administrativen Organisation des Vereins und im Marketing. Die Kickers sollen ein verlässlicher Partner für alle Partner sein. Wir verstehen uns auf der Geschäftsstelle auch als Dienstleister für unsere Partner und Fans. Das gilt auch für die Kollegen. Da haben viele Vereine in den letzten Jahren einen Lernprozess durchlaufen. Wir müssen uns den Erfolg nicht nur auf, sondern auch neben dem Platz erarbeiten. Leider nehmen das im Umfeld noch nicht alle an.

Wie meinen Sie das?

Zimmermann: Es gibt in jedem Verein diese Leute, die lieber über statt mit Menschen reden – auch bei den Kickers. Der Präsident und ich sind beide sehr harmoniebedürftige Menschen, gehen aber Konflikten nicht aus dem Weg, sondern sprechen diese an, um sie zum Wohle der Kickers zu lösen. Mir ist es immer lieber, wenn die Menschen direkt auf uns zukommen, statt sich hinter unserem Rücken zu beschweren. Das kostet zum Teil sehr viel unnötige Energie. Dabei sollten doch alle das gleiche Ziel vor Augen haben: Gesunde und erfolgreiche Kickers! Sehen Sie: Jetzt ist mir doch noch was Kritisches eingefallen.

Haben Sie da ein konkretes Beispiel wie es richtig geht?

Zimmermann: Wir haben zum Beispiel versucht, bei Heimspielen mit der Schließung von Kassenanlagen eine Optimierung der Kostensituation zu erreichen. Leider kamen doch einige Beschwerden und auch Argumente, die dafür sprachen, die Kassen zumindest teilweise auf zu lassen. Wir haben dann reagiert und die Anlage wieder geöffnet. Es bricht uns kein Zacken aus der Krone, wenn wir uns guten Gegenargumenten beugen. Wie bereits gesagt: Wir sind Dienstleister – stehen aber in der Verantwortung auch immer die Kosten im Blick zu haben.

Sie haben eben schon die Sponsoren angesprochen…

Zimmermann: …ich rede aber eigentlich lieber von Partnern. Das muss ein Geben und Nehmen sein. Das Wort Sponsor finde ich ein wenig antiquiert. Für mich kommt es kurz nach Mäzen.

Okay, dann stelle ich die Frage so: Gibt es denn neue Partner der Kickers?

Zimmermann: Wir arbeiten intensiv daran. Es ist natürlich im Laufe der Saison schwieriger neue Partner zu finden als vor der Saison – auch von unserer Seite aus. Die Pressewand ist gemacht, die Briefbögen und Eintrittskarten auch.

Also geht es mehr um eine mittelfristige Sponsorengewinnung?

Zimmermann: Ja. Aber natürlich ist das Kurzfristige auch wichtig. Wir haben schlicht und ergreifend keine Zeit zu verschenken, und es gibt auch noch einige Möglichkeiten den Sponsoren etwas zu bieten.

Und wie ist das Feedback?

Zimmermann: Grundsätzlich positiv. Aber meine Tätigkeit umfasst auch noch andere Bereiche. Ich kann mich nicht den ganzen Tag nur um Sponsorenaquise kümmern.

Wie sieht es denn mit dem Etat aus? Es gibt ja die 200 000 Euro, die man an den DFB zurückzahlen muss. Sind die schon einkalkuliert?

Zimmermann: Ja, die sind natürlich im Etat drin, dennoch haben wir noch ein ganz hartes Stück Arbeit zu stemmen. Wir haben noch aus der vergangenen Saison einiges vor uns hergeschoben, das jetzt irgendwann zu begleichen war.

Mit wie vielen Zuschauern wurde im Etat kalkuliert?

Zimmermann: Mit 1500 Zuschauern. Aber wir haben ein Problem: Die Fixkosten für Heimspiele sind enorm hoch. Hier haben wir als Großstadtklub einen Standortnachteil gegenüber den Dorfvereinen. Von uns wird eine professionelle Security verlangt. Dazu kommen Stadionmiete, Kosten fürs DRK und so weiter. Das macht einen guten fünfstelligen Betrag. Da bleibt dann für uns nicht mehr viel von den Einnahmen übrig.

Trotzdem: Die 1500 werden ja nach jetzigem Stand doch recht deutlich überboten. Womit kalkulieren Sie da wirklich?

Zimmermann: Man muss unterscheiden: zwischen der Zuschauerzahl und der Zahl der tatsächlich verkauften Tickets. Gegen Fürth waren es rund 1500 verkaufte Karten. Sponsoren und Ehrenkarten werden noch dazugerechnet, dann ergibt es die tatsächliche Zuschauerzahl von 2200.

Wieviele Dauerkarten wurden denn verkauft?

Zimmermann: Um die 650.

Zur mittelfristigen Finanzplanung: Wie optimistisch sind Sie, dass der nächste Etat höher ausfällt als der aktuelle?

Zimmermann: Für Prognosen ist es zu früh. Aber es gibt Signale: Generali beispielsweise hat angedeutet, dass sie sich noch stärker engagieren könnten. Aber für Konkretes ist es zu früh. Aber wenn ich nicht optimistisch wäre, würde mir der Job sicher nicht so viel Spaß machen.

Ich stelle jetzt einfach schon mal die Klassiker-Frage, die zur Winterpause aufkommen wird: Gibt es im nächsten Transferfenster Geld für einen neuen Stürmer – oder ist das aussichtslos?

Zimmermann: Die Etatplanung lässt keine personellen Veränderungen zu. Und ich bin der letzte, der sich da in ein finanzielles Wagnis stürzen wird. Es ist von vorneherein kommuniziert worden, dass diese Saison eine Konsolidierungssaison ist. Wenn der eine oder andere durch das sportliche Auftreten der Mannschaft wieder Blut geleckt hat – es ist der falsche Zeitpunkt. Wir können – und müssen – mit dem bisherigen sportlichen Verlauf der Saison zufrieden sein. Aber für weitere Verstärkungen gibt es keinen Spielraum. Es sei denn, einer steht auf und sagt: Hier ist ein guter Spieler, ich bezahle ihn Euch. Was hinzu kommt, ist der tolle Teamgeist. Hier könnte jeder neue eine Gefahr für die in sich sehr harmonische und geschlossene Truppe sein.

Dann nehmen wir doch mal den aktuellen Kader: Die meisten Spieler sind nach dem Umbruch mit kurzfristigen Verträgen ausgestattet worden. Wann wird man sich da an Gespräche über Vertragsverlängerungen machen?

Zimmermann: Wir sind bereits intensiv dabei. Wir wollen da auch ein Signal setzen und frühzeitig agieren. Aber es ist nicht einfach für die Spieler: Wir arbeiten auf sehr niedrigem Lohnniveau, was eine langfristige Bindung erschwert. Umgekehrt haben wir mit der Mannschaft und diesem Trainer eine gute sportliche Perspektive zu bieten. Deshalb bin ich guter Dinge, dass wir in den nächsten Wochen die ersten positiven Zeichen auch nach außen setzen können.

Der aktuelle Kader wurde ja vor allem aus dem eigenen Nachwuchs rekrutiert. Aber mit den schwindenden finanziellen Möglichkeiten wird es natürlich immer schwieriger, mit dem VfB zu konkurrieren. Wie stellen Sie sich da die Zukunft vor?

Zimmermann: Die Frage ist doch, ob da der VfB unser Maßstab sein darf. Die spielen mit acht hauptamtlichen Mitarbeitern auch in der Jugend in der Champions League. Nicht zu unrecht sind sie Deutscher B-Jugendmeister geworden. Der Jugendetat ist höher als unser Gesamtetat. Hier werden Äpfel mit Birnen verglichen, nur weil es eine geographische Nähe gibt.

Aber trotzdem buhlt man doch um die gleichen Talente.

Zimmermann: Nein. Wenn der VfB einem A-Jugendspieler einen Vertrag gibt und ihm einige hundert Euro im Monat zahlt, haben wir keine Chance. Bei uns bekommen Jugendspieler kein Geld. Aber Fakt ist doch: Es gibt in unserer Region mehr als 20 Talente. Unsere Kunst muss es sein, mit viel Liebe und Mühe die anderen Talente für die Kickers zu finden und zu gewinnen, die ebenfalls erfolgreich Fußball spielen können. Das ist den Kickers auch in der vergangenen Jahren ganz gut gelungen.

In Pfullendorf wurden im Fanblock Rauchbomben gezündet. Das hat Sie sehr verärgert…

Zimmermann: Ja. Wir haben eine so positive und angenehme Fankultur bei den Blauen, da ist sowas absolut fehl am Platz. Ich freue mich über jeden Fan, der unsere Mannschaft bei Heim- und Auswärtsspielen unterstützt, gegen solche schwachsinnige Aktionen werden wir aber intensiv vorgehen, um Schaden vom Verein abzuwenden. Klar für uns ist, dass wir nach dem sogenannten “Becherwerfer-Urteil” künftig alle Strafen, die diesbezüglich auftreten, auch zivilrechtlich einklagen werden.

5 Kommentare »

  • Ulrich Verder schrieb:

    Liebes Kickers-Team,

    bin nun schon seit vielen Jahren ein treuer Anhänger der Kickers und kenne Jens Zimmermann noch als Stadionsprecher bzw. Pressesprecher und schon damals war ich sehr überzeugt von ihm und seiner Arbeit – es ist eine sehr gute Entscheidung gewesen ihn zu gewinnen und wie sich die Kickers mit dem kleinen Etat bei ihren Heimspielen präsentieren aber auch in ihrem online-Auftritt ist vergleichbar mit Profivereinen – ich bin rundum begeistert über das was bei den Kickers geschieht und wünsche mir, dass alle mitziehen, um evtl. irgendwann wieder im professionellen Fußball mitzuspielen und ich denke wir sind auf einem guten Weg, allerdings braucht man dazu Zeit, Geld und etwas Geduld !

    herzliche Grüße,

    Ulrich Verder

  • Andy Ruthe schrieb:

    Ich als Kickers-Fan (aus dem Raum Niedersachsen) freue mich über die positive Entwicklung des Vereins.
    Ganz toll,wie sich Menschen wie z.B. Jens Zimmermann, Dirk Schuster ua.für den Verein aufopfern, man spürt förmlich das sich der Verein wieder positiv entwickelt, das war lange Zeit leider nicht so.

    Dafür großen Respekt von mir…

    Mit besten Grüßen

    Andy Ruthe

  • franz göser schrieb:

    Die positive Entwicklung und die Außendarstellung des Vereins
    hat beträchtlich zugenommen.
    Das hat sehr viel mit der Arbeit des neuen Geschäftsführers
    Herrn Zimmermann zu tun.
    Er hat für eine Aufbruchstimmung gesorgt.

    Weiter so Kickers !!

    F.Göser.

  • nrw4kickers schrieb:

    Ich selber bin einer derjenigen, der zu Saisonbeginn euphorisiert wurde und hoffte vielleicht mehr als nur einen gehobenen Mittelfeldplatz zu erreichen. Das hat sich nun relativiert, wobei ich die Kickers-Euphorie als “gesunde Ungeduld” bezeichnen würde. Ich bin seit 30 Jahren Kickers-Fan und muß mich allen anderen Stimmen anschliessen, die da sagen, daß die Vereinsführung in der aktuellen Saison die beste seit ADM+Robin Dutt zu sein scheint. Vielleicht sogar noch besser, weil der gefühlte “Ertrag pro Euro eingesetztem Kapital” noch höher zu sein scheint.

    Es geht nur mit Herzblut. Das Herzblut reicht aber denke ich maximal eine bis zwei Saisons, dann muß auch das Geld für die Spieler stimmen. Von daher ist für mich die Kardinalsfrage: Können die Kickers in der Saison 2010/2011 um den Aufstieg mitspielen ? Denn nur dann stimmt die Perspektive für die jungen Spieler auch bei den Kickers zu bleiben. Ich hoffe sehr stark, daß sich ein Aderlaß zu Ende der Saison 2009/2010 vermeiden lässt und die wichtigsten Spieler wie Enzo Marchese gehalten werden können.

    Ein Mittel zum Zweck um die Euphorie am Leben zu halten könnte der DFB-Pokal/ wfV-Pokal sein. Sollten die Blauen die QUalifikation für den DFB-Pokal schaffen, so wären die Weichen für 2010/2011 sehr, sehr positiv gestellt. Falls nicht könnte es wieder eng werden, muß aber nicht falls sich ein entsprechender Sponsor/ Partner findet.

    Ich kann nur versprechen, daß ich falls ich den Lotto-Jackpot einmal knacken sollte mich mit Sicherheit als Haupt-Sponsor für die Blauen anbieten würde ;-)

    … denn die Blauen sind auch meine Herzenssache.

    Simon alias nrw4kickers.

  • F.setzer schrieb:

    @nrw4kickers

    das war mein gedanke ;-) ich hoffe noch mehr menschen denken so, dann kann ja nix schiefgehen – bin auch der meinung, dass herr zimmermann die richtige wahl für diesen verein ist, auch wenn er sicher andere angebote wahrnehmen könnte, das spricht für mehr als den menschen, der einfach etwas zurückgeben möchte, da können sich so einige menschen weltweit mal ne scheibe dran abschneiden, denn es geht nicht immer nur um macht u. geld, sondern die leidenschaft, spass und die möglichkeit was zu bewegen, auch wenn die kickers momentan nur im mittelfeld der 4. liga kicken, auch für die spieler ist das ne riesen plattform auf grund der medien-präsenz; sogar in swr3 höre ich zumindest mal ne art ergebnisdient von den kickers – das ist n haufen arbeit, die der zimmermann da macht und ich finde es großartig, dass es solche menschen noch gibt, die etwas bewegen – jetzt müssen sich nur noch die jungs auf dem platz weiterhin verstehen und weiterentwickeln, dann sind wir alle schon ein großes stück weiter – das sind die kickers wie wir sie lieben un der neue song ist auch richtig gut – stuutgart deine seele ist für immer blau und weiß – die hymne passt – weiter so !!!

    frank

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