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Das Orakel von Degerloch – 2012 Edition

24 Februar 2012 Kein Kommentar

Kurz vor Jahresende haben wir bereits in die ferne Zukunft der Kickers geblickt, aber wie ist es um die kommenden drei Monate bestellt? Gelingt den Blauen der Aufstieg in die 3.Liga? Wir haben die Glaskugel befragt und das Orakel sagt eine ereignisreiche Rückrunde mit Happy-End voraus.

22. Spieltag, Städtisches Stadion am Prischoß Alzenau
FC Bayern Alzenau – Stuttgarter Kickers

Die lange Winterpause ist endlich vorbei und die Kickers-Fans sind heiß auf den Aufstieg. Sage und schreibe vier Fanbusse begleiten die Blauen zum Auswärtsspiel nach Alzenau. Mit den zusätzlichen PKW-Fahrern zählt der Kickers-Mob exakt 397 Fans, was dem FC Bayern Alzenau einen Zuschauerrekord beschert. Nie zuvor kamen mehr wie die heute 431 anwesenden Zuschauer ins Städtische Stadion am Prischoß. Das Spiel startet kurios mit einem Doppelpack von Peter Sprung (3. und 8. Minute), nachdem er beide Male die völlig verwirrte Abwehr austänzelt und dem Schlussmann keine Chance lässt. Frenetisch feiert Sprung seine Treffer, bis ihn Kickers-Trainer Dirk Schuster zu sich ruft. Nach einer kurzen Standpauke erinnert sich Sprung wieder: Er hat Alzenau doch im Winter verlassen und stürmt seither FÜR die Kickers. 2:0 Alzenau, und das nach acht Minuten. Doch die Kickers zeigen sich unbeeindruckt: Am Ende steht ein 5:2 Auswärtssieg zu Buche. 7-facher Torschütze: Peter Sprung

23. Spieltag, GAZi-Stadion auf der Waldau
Stuttgarter Kickers – FSV Frankfurt II

Erstes Heimspiel 2012 und die 4.734 euphorischen Kickers-Fans staunen nicht schlecht als sie den neuen Vorsänger im B-Block erblicken. Ausgestattet mit einem Trikot der Iserlohn Roosters, 3 Schalke-Schals und einem 3 Liter-Kanister Bier steht der Schwabenrooster auf dem Zaun und stimmt erste Anti-BVB-Lieder an. Die Blauen Bomber bilden bereits eine Task-Force wer ihn ansprechen und gegebenenfalls berühren muss, doch das Problem löst sich von selbst. Schwabenrooster verliert das Gleichgewicht und fällt aufs Spielfeld. Die Partie wird mit 30-minütiger Verspätung angepfiffen, da der 3×3 m große Krater auf Bitten von Schiedsrichter Robert Kempter zugeschüttet werden muss. Das Spiel ansich ist recht ereignislos. Die Kickers scheinen zuhause eine gewisse Blockade zu haben und tun sich schwer. Erst in der Nachspielzeit gelingt der Siegtreffer durch einen herrlichen Kopfball von Daniel Wagner nach einer Ecke.

24. Spieltag, Volksbankstadion Frankfurt
Eintracht Frankfurt II – Stuttgarter Kickers

In Frankfurt kommt es zum Topspiel zwischen dem Tabellenersten und dem Dritten. Beide Teams konnten ihre bisherigen Partien im neuen Jahr gewinnen. Frankfurt (4 Punkte Rückstand auf den SVK) beginnt mit den bei den Profis aussortierten Amedick, Schwegler, Matmour und Idrissou und geht nach einer halben Stunde mit 1:0 in Führung. Die Kickers stemmen sich gegen die spielerisch haushohe Überlegenheit der Hessen und können in der 61. Minute per Konter durch Marcel Brandstetter ausgleichen. Der anschließende Sturmlauf der Eintracht fordert die Innenverteidiger Leist und Fennell gleich mehrmals zu Höchstleistungen heraus, doch die Abwehr hält stand. 1:1 Endstand. In Anbetracht der Aspacher-Niederlage gegen Waldhof Mannheim ein gutes Ergebnis.

25. Spieltag, GAZi-Stadion auf der Waldau
Stuttgarter Kickers – SpVgg Greuther Fürth II

Zum nächsten direkten Duell mit einem Konkurrenten um den Aufstieg pilgern 4.843 Zuschauer auf den Kickers-Platz. In der Hinrunde konnten die Fürther die Blauen noch mit 3:1 besiegen, deshalb sinnen die Kickers auf Revanche. Besonders Stürmer Gerald Asamoah, der sich inzwischen bei der Fürther Reserve festgespielt hat, erhitzt die Gemüter. Nach zwei Schwalben, einer Rauferei mit Kim Stehle an der Außenlinie und wiederholten obszönen Gesten gegenüber dem Kickers-Anhang wird Asamoah beim Stande von o:o in der 76. Minute mit gelb-rot des Feldes verwiesen. In der 79. und 86. Spielminute vergaben die Kickers jeweils einen Elfmeter durch Marchese und Pala, der sich bei seinem Schussversuch einen Muskelfaserriss am linken Ohr zuzog. Das Spiel endete zum Ärger von Fans und Spielern 0:0.

26. Spieltag, Stadion an der Grünwalder Straße München
TSV 1860 München II – Stuttgarter Kickers

Im traditionsreichen Stadion an der Grünwalder Straße liefern die Kickers das schwächste Spiel der Rückrunde ab und gewinnen trotzdem glücklich durch eine direkt verwandelte Ecke von Fabian Gerster mit 1:0. Sehr zur Freude der 421 handgezählten Kickersfans im Stadion wächst der Vorsprung an der Tabellenspitze auf 6 Punkte an. Nach dem Spiel entschlüsselt Buddy die Aufstiegsmatrix. Immer wenn die Kickers an einem 26.Spieltag gegen einen bayrischen Kontrahenten spielten mit einem Tor Differenz siegten und die Zuschauerzahl nicht größer als 480 aber auch nicht geringer als 417 zählte, landeten die Blauen am Saisonende stets vor der Sonnenhof Großaspach und der Eintracht II.

27. Spieltag, GAZi-Stadion auf der Waldau
Stuttgarter Kickers – 1899 Hoffenheim II

Gegen die Reserve des Bundesligisten aus dem Kraichgau, die mit den Perspektivspielern Beck, Salihovic, Compper, Schipplock, Lakic und Babel antraten, entwickelte sich von Beginn eine hochklassige und ausgeglichene Partie. Nach dem frühen 0:1 durch Lakic gelang Ivanusa per Flugkopfball kurz vor der Pause der Ausgleich. 10 Minuten vor dem Ende gelang Pala, der nach auskurriertem Muskelfaserriß wieder fit ist, per sehenswertem Hackentrick der vielumjubelte Siegtreffer zum 2:1 für die Kickers. Auf der Pressekonferenz meldet sich der mitgereiste Rentner Dietmar H. aus Hoffenheim zu Wort und bemängelt die Personalpolitik der Blauen. Die Landeshauptstädter hätten einen völlig überzogenen Kader für die Regionalliga und würden den Talenten aus der Region den Kopf verdrehen.

28. Spieltag, Wormatia-Stadion Worms
VfR Wormatia Worms – Stuttgarter Kickers

Zum Abendspiel unter Woche reisen nur knapp 200 Kickers-Fans nach Worms. Sehr zum Unverständnis der Vielfahrer. Die anschließende Woche im Forum steht unter der Grundsatzdiskussion “Guter Fan/Schlechter Fan”. Diese Reise nach Worms lohnt sich jedenfalls, in dem ein ungefährdeter Auswärtssieg eingefahren wird. Die Wormser trösten sich in ihrem Internetforum mit der Tatsache, wenigstens wahrgenommen zu werden und nehmen die 0:2 Heimniederlage durch Tore von Türpitz und Grüttner mit dem Verweis auf den dadurch gestiegenen Bekanntheits- und Beliebsheitsgrad – besonders bei den Kickers-Fans- gerne in Kauf.

29. Spieltag , GAZi-Stadion auf der Waldau
Stuttgarter Kickers – KSV Hessen Kassel

Die ausführlichste Spielanalyse schreibt Ford K im Forum. Ganze zwei Minuten nach Abpfiff schlussfolgert er gezielt vom heimischen Sofa, kritisiert die Körpersprache von Dirk Schuster, die fehlende Kommunikation auf dem Platz, die Verspätung der Straßenbahn und die Platzverhältnisse. Dennoch könne man mit dem knappen 1:0 durch den neuen Publikumsliebling Gazet du Chattelier zufrieden sein, der von den Fans liebevoll GAZI genannt wird.

30. Spieltag, Geberit-Arena Pfullendorf
SC Pfullendorf – Stuttgarter Kickers

In Pfullendorf geht es gegen einen der Lieblingsgegner unserer Blauen. Von der starken Leistung der Kickers-Mannschaft aus dem letzten Spiel ist jedoch nicht mehr viel zu erkennen. Letztlich zählen aber die Punkte und so kann man mit dem unspektakulären 2:0 gut Leben. Die größere individuelle Klasse der Kickers-Spieler macht letztlich den Unterschied. Die Torschützen waren Peter Sprung und der junge Kriks, der als Einwechselspieler überzeugen konnte.

31. Spieltag, GAZi-Stadion auf der Waldau
Stuttgarter Kickers – FC Ingolstadt II

Mit einer Klasseleistung besiegen die Blauen die Mannschaft aus Ingolstadt in einem sehenswerten Spiel mit 4:1. Bei den Kickers konnten sich Peter Sprung, Gondorf, Brandstetter und Gazet du Chattelier in die Torschützliste eintragen. Nach dem Spiel sagte Ex-Kickersspieler Manuel Hartmann, der 90  Minuten für Ingolstadt auf dem Platz stand, wehmütig: “Ich hätte die Kickers niemals verlassen sollen. Vielleicht besteht im Sommer die Möglichkeit, dass ich zu den Kickers zurückkehren kann.”

32. Spieltag, GAZi-Stadion auf der Waldau
Stuttgarter Kickers – FC Memmingen

Bereits vor dem Spiel in Memmingen kochen die Emotionen hoch. Ein einzelner verirrter Memmingen-Fan schrieb 346 Beiträge im Kickers-Forum, in denen er immer wieder darauf aufmerksam machte, dass Memmingen viel größer und schöner als Stuttgart sei. Zudem wurde er nicht müde zu betonen, dass der FC Memmingen auch der bessere Verein mit mehr Anhängern und dem besseren – wenn nicht sogar dem besten Stadion Deutschlands – sei. Das Spiel verläuft allerdings nicht wie vom Memmingen-Fan prognostiziert. Die Kickers schlagen den FC nach einer starken Leistung mit 3:0. Die Torschützen sind Leist per Kopf, Gondorf per direkt verwandeltem Freistoß und Sprung, der abstaubt, nach dem der Memminger Schlussmann einen Abschlag von Wagner nicht festhalten konnte. Turbulent geht es indes auf den Rängen zu. Forumsmitglied Gambo, der im Zusammenhang mit seiner Jugendgruppe Fähnlein Fieselschweif bekannt wurde und heute der Vorsitzende der Ultragruppierung Bluezifer ist, ordnet einen Platzsturm an, der jedoch daran scheitert, dass die Jesusfahne am Zaun nicht überwunden werden kann. Der Vorsprung der Kickers beträgt nach diesem Spiel immer noch 6 Punkte auf Frankfurt. Da die Eintracht allerdings die deutlich bessere Tordifferenz hat, ist rechnerisch noch keine Entscheidung gefallen.

33. Spieltag, easyCredit Stadion Nürnberg
1. FC Nürnberg II – Stuttgarter Kickers

Die Kickers reisen hochmotiviert nach Nürnberg. Von Stuttgart fährt sogar ein Sonderzug mit 800 Fans der Blauen an Bord nach Nürnberg. Zusätzlich dazu fahren 13 Busse nach Franken. Alle Kickers-Fans wollen beim Aufstieg dabeisein und so finden sich 4.500 Blaue im weiten Rund des easyCredit Stadions ein und sorgen für eine unglaubliche Stimmung. Leider ist die Mannschaft etwas nervös und gerät schon in der ersten Halbzeit völlig verdient mit 2:0 in Rückstand. Nach der Pause werden die Blauen etwas besser, zu mehr als dem späten Anschlusstreffer von Grüttner reicht es aber leider nicht. Da die Eintracht zeitgleich gewinnt, schmilz der Vorsprung auf 3 Punkte zusammen, so dass sich die Aufstiegsfrage erst am letzten Spieltag klären wird.

34. Spieltag, GAZi-Stadion auf der Waldau
Stuttgarter Kickers – FC Bayern München II

Freitagabend, 18:30 Uhr im Waldaustadion. 8.300 Zuschauer wollen dabei sein und mitfiebern, wenn es für die Kickers um Alles oder Nichts geht. Eine solche Stimmung kennen viele der Fans nur aus alten Zweitligatagen. Lautstarke Anfeuerung aus dem B-Block, Wechselgesänge zwischen dem G-Block und der Gegengeraden und eine nicht müde werdende Haupttribüne, von wo aus eine La-Ola-Welle nach der anderen losrollte bilden einen großartigen Rahmen für das allesentscheidende Spiel. Zum Einlauf der Mannschaften rollt vom Fensehturm ein 150 Meter langes Spruchband “WENN NICHT JETZT, WANN DANN”. Die Kickers beginnen nervös und haben die ersten 30 Minuten offensichtlich große Probleme bei diesem Druck die Spielkontrolle zu übernehmen und geraten nach einer Ecke mit 0:1 ins Hintertreffen. Dann verbreitet sich auf der Tribüne eine Meldung wie Lauffeuer: Die Frankfurter Eintracht führt in Fürth und erklimmt die Tabellenspitze. Eine Durchsage im Stadion bleibt aus, doch auch den Kickers-Spielern ist die Totenstille auf der Waldau nicht verborgen geblieben. Vor einem Eckball in der 32. Minute wechselt Dirk Schuster Simon Köpf für den angeschlagenen Ali Pala (Verdacht auf Muskelfaserriss) ein. Köpf – der nach seinem Kreuzbandriss in der Saisonvorbereitung bislang keinen Saisoneinsatz hatte – orientiert sich sofort zum Kopfball in den Strafraum und bekommt Fabian Gersters Ecke mustergültig auf die Stirn serviert. Mit der ersten Ballberührung der Saison nickt der Kapitän zum 1:1 Ausgleich ein. Ab jetzt kennt die Waldau kein Halten mehr. Simon Köpf wird von seinen Mitspielern unter einer Menschentraube beinahe erdrückt und auf den Rängen bricht ein Jubel aus, wie man ihn in Stuttgart zuvor noch nie erlebt hat. Am nächsten Tag wird in der Zeitung zu lesen sein, dass sogar auf der Königstraße für mehrere Minuten lang die Passanten erstarrten, ob des Donnergrolls von den Degerlocher Höhen. Mit 1:1 geht es in die Pause und das finale Schaulaufen ist eröffnet. Auf den Rängen herrscht seit dem Ausgleichstreffer Party pur. Davon euphorisiert zeigt die Kickers-Elf nochmals 45 Minuten, weshalb sie ganz oben steht. Durch schnelles Kombinationsspiel und eine unglaubliche Laufbereitschaft spielen die Kickers ihren Gegner nun an die Wand. Enzo Marchese erzielt in Minute 51 das 2:1 und sorgt somit für die Vorentscheidung. Es folgen Marcel Ivanusa zum 3:1 und Philip Türpitz mit dem 4:1 (78.). Die Fans auf der Haupttribüne stehen seit der 2:1 Führung ununterbrochen und stimmen einen Wechselgesang nach dem Anderen an.

Mit dem Schlusspfiff öffnen sich sämtliche Tore zum Innenraum und es beginnt die größte Party, die jemals in Stuttgart gefeiert wurde. Aus der ganzen Stadt strömen weitere Stuttgarter auf die Waldau, nachdem Sie aus Radio und regio.tv vom Aufstieg der Kickers erfahren. Unter der Regie von Guido Buchwald, der mit Megafon bewaffnet auf der Querlatte eines Tores sitzt, stimmen die Blauen einen Hit nach dem Anderen an und lassen bis in die frühen Morgenstunden keinen Zweifel daran, wer die geilen Jungs aus der Landeshauptstadt sind.

Ein Kickers-Fan aus dem Rems-Murr-Kreis feiert den Aufstieg der Blauen

Ein Kickers-Fan aus dem Rems-Murr-Kreis feiert den Aufstieg der Blauen

Alle Anwesenden erleben einen Tag, wie sie ihn ihr Leben lang nicht mehr vergessen werden.

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